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AUSSTELLUNGEN DES EUROPA-RATES: DIE IDEEN DER ERBEN.

von Admin , 06.01.2012 14:04

Ob Kunstgeschichte das ganz Andere der Ideengeschichte darstellt oder Bilder nicht auch eigenständige Produzenten und Akteure von Ideen und Konzepten sind und aus dieser Sicht zwischen Ikonologie und Ideenforschung doch grundsätzliche Entsprechungen bestehen, ist durch die vielfältigen Wendungen der Bildwissenschaft in jüngerer Zeit erneut zum Thema geworden.

Methodisch und auch historiographisch ist diese Frage mit Blick auf das kuratorische Format der Großausstellung besonders ergiebig. Ebenso wie Nationalgalerien oder "ständige Ausstellungen" sind auch Großausstellungen nicht nur Abbilder von Ideen und Konzepten, so konzise die Vorstellungen des Kurators vorab auch gewesen sein mögen. Die Ausstellung, die Sammlung, das Parcour entwickelt im Prozess der Entstehung vielmehr ein Eigenleben.

Als Produzenten von Wissen sind Ausstellungen ideengeschichtliche Forschungsgegenstände avant la lettre. Besonders jene Ausstellungen, die als Institutionen zyklisch wiederkehren und in regelmäßigen Abständen einen Überblick über die Gegenwart liefern, sind Gegenstände der Ideengeschichte. Ob Große Deutsche Kunstausstellung oder documenta - jedes dieser Mammutprojekte ist retrospektiv und prognostisch zugleich und schon darin ein Spielraum der Begriffe, Werte und Vorstellungen.

Europaratsausstellungen sind für diese Art ideengeschichtlicher und auch diskursanalytischer Fragen so herausragende Fälle, weil deren ausdrücklicher Anspruch zugleich historisch-konservierend und ideell sinnstiftend war. In diesem Format überregional wirksamer Events alternativ zu nationalen Traditionen eine grenzenübergreifend wirksame europäische Identität zu schaffen, indem für das gemeinsame kulturelle Erbe Europas sensibilisiert wurde - dieses Konzept ließ zahlreiche Überschneidungen kunst- und kulturhistorischer Forschungsparadigmen mit sich wandelnden politischen Vorstellungen europäischer Integration zu.

Überraschend ist, dass die Kataloge dieser Ausstellungen - ihrem Anspruch folgend - zum Teil explizit ideengeschichtlich argumentierten bzw. Autoren gesucht wurden, die den monumentalen Anspruch dieser Ausstellungen methodisch durch die Ideengeschichte einzulösen vermochten. Eine Aufarbeitung der Europaratsausstellungen in ideengeschichtlicher Absicht ist daher mehr als nur die methodische Entscheidung einer retrospektiven Aufarbeitung. Sie liefert unmittelbar auch archivalisch wesentliche Ergänzungen einer Bibliographie der Ideengeschichte im 20. Jahrhundert.

Texte wie die des schweizerischen Rechtskonservativen Gonzague de Reynold im Katalog zur Europaratsausstellung "Europäisches Rokoko" (München 1958) belegen sogar eine politische Geschichte der Ideengeschichte. Sie deuten prägnant an, dass auch oder gerade diese Methode als Überblicksdarstellung zum Teil erheblichen ideologischen Wandlungen unterworfen war. Die politischen Gegensätze ihrer Rezeption und Anwendung bestehen bis heute fort.

Als Teil der Ideenpolitik im 20. Jahrhundert stellen Europaratsausstellungen in ihren Texten, Bildern und als historische Momente einen besonders vielseitigen Forschungsgegenstand dar, der nicht zuletzt die Kunst- und Bildgeschichte mit der Ideengeschichte integriert und diese in ihren Entsprechungen exemplarisch sichtbar werden lässt.

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