ARCHIV-REPORTER 006: "RAUMFRAGEN!"

#1 von Admin , 11.07.2011 21:04

"Satellitenraum" und "Großraumordnung"?
Gründungen wie das "Deutsche Büro für Friedensfragen" scheinen Teil einer Institutionengeschichte der Globalisierung zu sein. Zumindest der von Heike Heuser gefundene Text "Bolschewismus und Kirche im Satellitenraum" von 1950 deutet darauf hin, dass sich der Kalte Krieg nicht lediglich in der Pflege und Verschärfung von Oppostionsschemata erschöpfte. Oder gehört es gerade zu diesem Freund-Feind-Denken, sich eines Denkraums der großen "Lage" zu versichern? Die Schrift über den "Satellitenraum" sekundiert der 1941 erschienenen "Völkerrechtlichen Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte" von Carl Schmitt, der diese Linie in der Nachkriegszeit zeitgleich zu der Studie des "Deutschen Büros für Friedensfragen" mit der Schrift "Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum Europaeum" 1950 fortsetzte. Der seltene Text aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Marburg passt auch zu Veröffentlichungen des Schmitt-Schülers Rüdiger Altmann über "Die Erdkarte als Weltbild" (1954) - Publikatikonen, die so genannte "Standortbestimmungen" der weltanschaulichen Auseinandersetzungen der deutschen Nachkriegszeit als Teil einer Ideengeschichte der Globalisierung erscheinen lassen.


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RE: ARCHIV-REPORTER 006: "RAUMFRAGEN"

#2 von Wilfried von Bredow ( Gast ) , 14.07.2011 15:01

Als es noch keinen westdeutschen Staat gab, der Ost-West-Konflikt langsam in seine Phase des Kalten Krieges eintrat und die vier Siegermächte sich über Deutschlands Zukunft immer uneiniger wurden, wurde das Deutsche Büro für Friedensfragen gegründet, in der Hauptsache auf Initiative der Länder in den Westzonen. Es sollte Vorläufer eines Außenministeriums sein (und in der Tat versammelten sich hier bald eine Reihe von Diplomaten, die ihren Beruf aus der Zeit vor 1945 nicht aufgeben wollten). Es hatte die Aufgabe, die deutschen Politiker in den Verhandlungen über Deutschlands Zukunft mit Hintergrundwissen über politische Strömungen und Zielvorstellungen über Deutschland bei den Alliierten zu versorgen. Die in kleiner Auflage erstellten Schriften des Büros waren teils Übersetzungen, teils kurze Analysen. Mit der Gründung der Bundesrepublik ging das Büro in die Kompetenz des Bundes über (deshalb der Zusatz "in Überleitung") und wurde dann später tatsächlich ein Baustein des Auswärtigen Amtes in Bonn. Ohne die hier angezeigte Schrift mit dem etwas sperrigen Titel zu kennen, läßt sich dazu aber doch folgendes sagen: Die Beobachtung der UdSSR und der von ihr abhängigen ostmittel- und osteuropäischen Staaten ("Satelliten") war Teil der Konstellation des Kalten Krieges, der terminologisch häufig als geopolitischer (Raum-)Konflikt gefasst, aber mehr noch als ideologischer Konflikt wahrgenommen wurde. Man darf nicht vergessen, dass damals im Westen (im Osten übrigens auch) bis in höchste Kreise der Gedanke anzutreffen war, das "andere System" würde in Kürze zusammenbrechen. Aus westlicher Sicht sah man hier vor allem auch weltanschauliche Faktoren als sehr wirksam an. Die kommunistischen Regierungen bekämpften den christlichen Glauben und die Kirchen - und das würde, meinten viele, zu ihrem Untergang führen. Außerdem war es ganz nützlich, dass es hier Parallelen zwischen den Nazis und den Kommunisten zu beobachten gab.

Wilfried von Bredow

   

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