ARCHIV-REPORTER 008: "EINE FESTE BURG!"

#1 von Admin , 19.08.2011 13:37

Glaube in Deckung? Bunkerkirchen und Betonkapellen nach 1945 in Deutschland
Der so genannte "Betonfelsen", die Wallfahrtskirche von Neviges/ Velbert/ Deutschland (Architekt: Gottfried Böhm, 1968) ist nur das prominenteste Beispiel für eine Reihe von sakralen Bauwerken, in denen sich der ästhetische Anspruch eines Gotteshauses, Ort der Begegnung mit dem Heiligen zu sein, in Formen der Militärarchitektur und des Brutalismus erfüllte. Bereits Anfang der 1960er Jahre beginnt Heinz Rall mit den Entwürfen für das evangelische Gemeindezentrum Sommerrain/Stuttgart/Deutschland, das ähnliche trotzig-martialische Formen des Bunkerbaues in die Kirchenarchitektur überführte.

Der Bau von Rall besticht auch durch den bemerkenswerten, minarettartig schlanken Glockenturm. Wie auch der Versammlungsraum scheint der Turm wie ein Eisberg nur einen kleinen Teil seiner selbst zu zeigen. Der Gedanke an Kirchtürme, wie sie in Saalkirchen üblich sind, lässt den Unterbau dieser Turmspitze unterhalb der Erdoberfläche vermuten und trägt auch dadurch zu der unheimlichen Monumentalität des des Baues bei.

Bauformen wie diese sind nicht nur Ausdruck wechselnder Richtlinien in der Kirchenbaukunst des 20. Jahrhunderts. Sie lassen auch Rückschlüsse auf eine Bild- und Ideengeschichte der Spiritualität zu. Sie scheint im Falle der Bunkerkirchen von Neviges und Stuttgart oder auch weit späterer Objekte wie der berühmten Autobahnkirche in Baden-Baden (1978) eine Phänomenologie der Bedrohung zu erzählen, die Zugänge zu einer Psychologie der Architektur im Kalten Krieg bereithält.


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zuletzt bearbeitet 20.08.2011 | Top

   

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